Gedankenkarusell
Die erste Kerze brennt so sacht,
Im flüchtigen Moment der Nacht.
Der Budenzauber lockt die Menge,
Wir suchen Trost in süßer Enge.
Ein Glühwein wärmt die kalte Hand,
Für einen Augenblick im Wunderland.
Doch was die Zeitung heute meldet,
Die Seele friert und schnell verwelket
Der kurze Friede unterm Dach:
Der Schmerz von Gaza, Israels Ach!
Der Ukraine Kampf ist fern und nah,
Die Hoffnung schwindet Jahr um Jahr.
Man bangt um Taiwan, um den Halt –
Die Welt, sie ist so bitterkalt.
Die Rente treibt uns Sorgenfalten,
Wer wird das Morgen noch verwalten?
Der Ton wird schärfer, hart und laut,
Wofür man einst auf Einigkeit gebaut.
Im Konsumrausch, Licht an Licht
just neben Weihnachtsmanngesicht.
Wie passt dies Leuchten, dieses Glück,
Zum harten, traurigen Weltgeschick?
Am Tannenbaum, so grün und weit,
Such’ einen Funken Menschlichkeit.
Es glimmt der Mut in dir und mir,
Wir bauen neu, wir stehen hier.
Der Advent
ist mehr als Schein
Er ist der Ruf, der in uns sein
und stille Güte wecken kann –
Fass Mut, du Mensch, der Weg begann.
©Kerstin Hebauf
©Kerstin Hebauf