Leises Wachsen im Licht von Ostern
Im Licht des Frühlings beginnt etwas.
Nicht laut. Eher vorsichtig.
Zarte Windböe
streichen wie ein leiser Atem
durch die Welt.
Zu Ostern wirkt selbst
die Erde nachdenklich.
Sie öffnet sich langsam.
Gibt frei, was lange verborgen war.
In kahlen Zweigen regt sich etwas.
Kaum sichtbar - aber da!
Ein Keim durchbricht die Schwere.
Noch unsicher.
Und doch entschlossen
wie eine Knospe, welche sich öffnet,
mutig nach oben blickt
und den Duft von Neubeginn
in verborgene Ecken bringt.
Wachsen geschieht leise.
Fast unbemerkt.
Und trotzdem verändert es alles.
Es bleibt nicht nur in der Erde.
Was draußen in der Natur leise geschieht,
findet auch seinen Weg
nach innen zu uns.
Fast unmerklich
berührt es das Eigene.
Wie ein Echo.
Gedanken werden weiter.
Alte Schwere löst sich langsam.
Was fest schien, wird beweglich.
Was verborgen war, zeigt sich vorsichtig.
Zu Ostern erzählt das Wachsen auch davon.
Dass Ende nicht nur Ende ist.
Dass etwas in uns neu beginnen kann.
Leise.
Ohne große Geste.
Vielleicht nur ein anderer Blick.
Ein kleines Ja.
Oder der Mut, nicht stehen zu bleiben.
Und selbst aus Trauer kann etwas wachsen.
Nicht sofort.
Nicht ohne Schmerz.
Denn Trauer verlangsamt.
Gedanken kreisen.
Die Welt wirkt ferner.
Sie liegt schwer
in der Erde des Inneren.
Dunkel.
Still.
Doch mit der Zeit verändert sie sich.
Wird weicher.
Durchlässiger.
Zu Ostern erinnert dieses leise Geschehen daran.
Dass auch im Dunkel Wandlung beginnt.
Aus dem, was weh tat, wird Tiefe.
Aus dem Verlust wächst Verständnis.
Und langsam entsteht Reife.
Reife!
Nicht als Sieg.
Sondern als stilles Weitergehen.
©Kerstin Hebauf
©Kerstin Hebauf